„Rebellin im Sturm: Helgolandhistorie“ von Simone Gütte


»Halte ein, Sturm in deiner Macht!«

Helgoland 1720/21: Gesa Christiansen wartet auf die Rückkehr ihres Mannes Hinnerk aus dem Nordmeer. Als der Walfänger Ole Sprinkholt in die Klippen gesperrt wird, begibt sie sich zu ihm, um etwas über Hinnerks Verbleib zu erfahren. Doch der Gefangene hat sein Gedächtnis verloren. Nur ein Spruch begleitet ihn, mit dem er angeblich Stürme zähmen kann.

Als ein Inspektor auf der Insel erscheint, wendet sich das Blatt: Ist Ole in einen Mordfall verwickelt? Wie hängt die Tat mit Gesas verschollenem Mann zusammen?

Währenddessen rollt eine Sturmflut auf die Insel zu und droht, die Klippen zu überfluten. Gesa muss sich über ihre Motive klar werden. Warum riskiert sie ihr Leben für den Fremden? Und hilft der Bann, den Sturm aufzuhalten?

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Kennenlernen: Simone Gütte

Leseprobe

Kapitel 1 – Das Warten kennt kein Ende
Das Erste, was Gesa von der Klippe aus sah, war ein wuchtiges Holzfass, das auf den Gischt sprühenden Wellen tanzte. Gespaltene Bretter und abgebrochene Schiffsmasten begleiteten es, Taue und Takelage drehten sich in den Wogen.
Gesa trat einen Schritt näher an den Klippenrand und richtete ihren Blick auf den mit Schaumkronen besetzten Horizont. Sie zog ihre Wollstola fester um die Schultern und rieb sich die fröstelnden Arme. Der Wind trieb dunkelgraue Wolkenberge vor sich her und schickte eisige Kälteschauer über die roten Klippen. Ihr Rock bauschte sich, das Unterkleid flatterte. Sie versuchte, den Stoff über ihre Beine zu ziehen, aber das nutzte nichts.
Tief sog sie die salzige, algengeschwängerte Luft ein. Sie beschattete ihre Augen und spähte, so gut es die Sicht zuließ, über das schäumende Meer. Im Westen bäumten sich glitzernde, weiße Wellenberge auf und rollten wie eine Wand auf das Eiland zu. Außer Fässern und Planken trieb nichts im Wasser. Hatte der Steuermann die Sandbänke nicht beachtet, als er sich Helgoland näherte? Wo war die Mannschaft, die zu den Wrackteilen gehörte, abgeblieben? Hatte sie sich in die Boote retten können?
Weitere Fässer hopsten auf den Wellen. Gesas Herzschlag beschleunigte sich. Jetzt war es eindeutig. Sie stammten von einem Walfänger. Es waren dreibandig beschlagene Eisenfässer, groß genug, um darin Tran und Speck aufzubewahren.
Ungeduldig wischte sie eine ihrer Haarsträhnen aus dem Gesicht, die sich unter der Haube gelöst hatte. Was bedeutete das für Hinnerk? Gehörten die Wrackteile zur Brigg Marina, auf der er angeheuert hatte?
Sie stieß einen tiefen Atemzug aus. Nein, wäre Hinnerk Steuermann der unglückseligen Brigg gewesen, wäre das Schiff jetzt noch intakt. Er kannte sich aus in den heimatlichen Gewässern.
Er kommt nicht, heulte der Wind in ihren Ohren, nein, auch dieses Jahr nicht. Erneut würde sie den Heiligen Abend ohne Hinnerk, nur mit ihrer Familie, verbringen.
Unterdessen waren die Helgoländer auf das Treibgut, das die Wellen mit sich trugen, aufmerksam geworden. Sie sammelten sich unten am Strand. Die Gelegenheit, die angeschwemmten Wrackteile als Feuerholz zu verwenden, wollten sie sich keinesfalls entgehen lassen in diesem kalten Dezember. Sie mussten schnell sein, um das Holz zu bergen. Denn zuerst gehörte es dem dänischen Landvogt.
Mit Freude beobachtete sie, wie ihre Landsleute das Holz in Körben oder auf ihren Rücken geschultert davontrugen.

[…]


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