Heiraten auf Italienisch: Chaos, Herausforderungen und unerwartete Chancen für drei starke Frauen.
Leonie hat gerade ihr Touristikstudium beendet und fiebert der Traumhochzeit mit Luca entgegen. Gefeiert wird im Herzen Italiens, in Perugia, wo Lucas Eltern ein Hotel betreiben. Auch Gabriele lässt sich den großen Tag ihrer Enkelin nicht entgehen – es ist das erste Mal seit dem Tod ihres Mannes, dass sie sich wieder hinauswagt ins Leben. Das ist schwer, aber auch ganz schön prickelnd, vor allem, als sie in Italien dem charmant-knarzigen Reiseführer Francesco begegnet.
Leonies Eltern, Katrin und Oliver, sind seit Jahren getrennt. Nun sitzen sie auf dem Weg zur Hochzeit im gleichen Flieger. Und eigentlich fühlt sich das gar nicht so schlecht an.
Alle Zeichen scheinen auf Grün zu stehen, doch dann beginnt nicht nur die Fassade des Hotels zu bröckeln, denn italienische Hochzeiten haben ganz eigene Gesetze …
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Kennenlernen: Tessa Hennig
Leseprobe
Wenn es draußen frühmorgens bereits angenehm warm war, setzte sich Gabriele für gewöhnlich frisch aus dem Bett und noch im Nachthemd mit einer Tasse Tee an den kleinen Bistrotisch vor ihrem Haus. Das gute Stück hatte ihr Helmut vor acht Jahren zum Geburtstag geschenkt – ein Jahr, bevor er von ihr gegangen war. Der Tisch war kein billiges Baumarktding, sondern eine edle Ausführung mit präzise eingelassenen bunten Mosaiken aus einer Fabrik in Umbrien. Er steckte sogar das deutsche Schmuddelwetter weg, ohne dabei zu rosten. Allerdings passte solch erlesene Handwerkskunst stilistisch nicht so recht zu ihrem kleinen Haus, das am Stadtrand von Altdorf inmitten einer modernen Wohnsiedlung lag. Das Mauerwerk hatte über die Jahre bereits Moos angesetzt und kämpfte gegen Feuchtigkeit und Schimmel – vor allem im Keller. Baujahr 1905. Was konnte man da auch anderes erwarten? Gabriele war schon froh, dass sie überhaupt noch ein Dach über dem Kopf hatte. Am Vortag hätte sie nach einem heftigen Gewitter fast ein Dachziegel erschlagen. Eine Renovierung stand an, doch die war teuer und letztlich wusste sie nicht einmal, womit sie anfangen sollte. Die Frage stellte sich auch gar nicht, weil sie nicht das Geld dafür hatte, eine Firma damit zu beauftragen.
Ihre Tochter um Geld bitten? Dann lieber einen Eimer dort hinstellen, wo es ins Gästebad reintropfte. Gabriele fand sich damit ab, denn letztlich widerstand nichts dem Zahn der Zeit. Im wahrsten Sinne des Wortes. Erst letzten Herbst hatte sie sich das Gebiss sanieren lassen müssen. Noch ein Tribut an den Herbst des Lebens. Damit einher gingen diverse Zipperlein, die sich bereits Jahre vor dem Rentenalter eingeschlichen hatten. Seitdem die beiden mauen Renten vom Staat und einer Versicherung zumindest den Lebensunterhalt sicherten, tat ihr morgens einfach alles weh, vor allem die Beine. Rheumatische Beschwerden, hatte es beim letzten Arztbesuch geheißen. Gabriele seufzte in Gedanken an ihren unaufhaltsamen Verfall, der mit dem des Hauses einherzugehen schien. Sie nahm einen kräftigen Schluck aus ihrer Teetasse, die kaum noch vor sich hin dampfte, weil der Juli sich heute bereits in aller Frühe von seiner schönsten Seite zeigte.
Gabriele ließ ihren Blick über ihren Vorgarten schweifen. Der hingegen passte im Gegensatz zur Wohngegend nahezu perfekt zum Bistrotisch aus Italien, denn eine wahre Blütenpracht lag vor ihr. Zwei riesige Yuccapalmen in tönernen Töpfen durften nicht fehlen. Eine Zypresse wehrte sich tapfer gegen die für sie ungewohnten klimatischen Verhältnisse. Angeblich hatte ihr Garten italienisches Flair – Leonies Meinung. Ihre Enkelin musste es ja wissen. Seitdem sie studierte, verbrachte sie die vorlesungsfreie Zeit in Italien und hatte seit einem Jahr sogar einen Italiener an der Angel, den sie nun zu ehelichen gedachte. Und das schon diese Woche. Kaufte man sich gleich eine ganze Osteria, nur weil man Lust auf ein Stück Pizza hatte? Leonies Mutter Katrin sah die Hochzeitspläne ihrer Tochter zumindest kritisch. Es ging ihr zu schnell – verständlich, denn auch sie hatte gleich nach dem Studium geheiratet und lebte mittlerweile in Trennung von ihrem Mann.
Das Bahnticket für den Nachtzug nach Italien hatte Gabriele jedenfalls bereits gebucht. Sie nahm in Gedanken an die bevorstehenden Reisestrapazen gleich noch einen Schluck der stärkenden Teemischung. Die bevorstehende Hochzeit hatte Gabriele, seitdem sie davon wusste, in Unruhe versetzt. Leonies Anrufe bereiteten ihr normalerweise Freude. Sie liebte ihre Enkelin über alles und war nur mangels Finanzen sowie zu hoher Mieten nicht zu ihr nach München gezogen, wo sie studierte. Doch dieser Anruf hatte ihr Herzrasen verursacht. Hochzeit bei Lucas Eltern in Perugia – mitten in Umbrien! Nicht gerade direkt um die Ecke, aber laut Leonies und auch Helmuts Worten eine Perle Italiens. Von dort kam auch der Tisch.
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