„Dieses eine Leben“ von Helena Baum


Sie haben sich geliebt. Sie haben sich verloren.

Zehn Jahre Ehe, zwei Kinder, ein funktionierender Alltag. Und eine Beziehung, die längst aufgehört hat, sich lebendig anzufühlen. Für beide wird es immer schwieriger der Frage auszuweichen: War das alles, oder kommt da noch etwas?

Als Ella den Stillstand nicht mehr erträgt und Jasper einer Paartherapie zustimmt, geraten sie in Bewegung. In den Gesprächen beim Therapeuten geht es nicht um ein Happy End um jeden Preis, sondern um Wahrhaftigkeit. Um Nähe, die weh tut. Um das, was zu lange verdrängt wurde, und das Schweigen, das sich längst zwischen ihre Körper gelegt hat.

Ein Roman über die Liebe. Über Intimität, Selbstverlust und den Mut, sich nicht länger zu verstecken. Und über dieses eine Leben, das keinen Probedurchlauf kennt.

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Leseprobe

Das Bad in der Praxis war so klein, dass Johannes Falk sich nur mit eingezogenem Bauch drehen konnte. Ein Raum, der ihn jedes Mal daran erinnerte, wie wenig Platz manche Dinge im Leben bekamen. Riesige Therapieräume – und dann dieses winzige Bad. So ein Pfusch!
Kaum war die Badezimmertür hinter ihm zugefallen, glitt er in seine gewohnten Rituale. Zwanzig Minuten Pause zwischen den Therapiesitzungen. Zwanzig Minuten, in denen er wieder zu sich fand. Zähne putzen, Hände waschen, Fenster auf. Das Zähneputzen hatte er irgendwann verstanden. Er reinigte den Mundraum, um alte Worte loszulassen und neuen Worten Platz zu schenken. Es war wie ein kleines Abschiedsritual und ein Willkommensritual zugleich.
Im Praxisraum ordnete er danach die Sessel zu einem gleichschenkligen Dreieck. Es war sein heimliches Startsignal. Die Abstände würden nicht so bleiben, das taten sie nie. Paare formten ihre Geometrien selbst. Wer sich an den Rand drückte, wer ein Stück näher rückte, wer den Blick senkte oder ihn suchte – darin las er oft mehr als in jedem Satz.
Er stellte frisches Wasser bereit, eine Karaffe, drei Gläser. Dann sank er auf sein Sofa, faltete die Hände über dem Bauch und schloss die Augen. Für ein paar Minuten hörte er nur seinen Atem. Der Geruch der Seife stieg ihm in die Nase und erinnerte ihn an Weihnachten. Zimt und Koriander. Er sollte seiner Kollegin endlich sagen, dass er diese Duftzusätze zu penetrant fand. Morgen.
Noch war Stille. Gleich würde ein neues Paar diese Stille mit Leben füllen. Er war bereit.

[…]


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