Ein Mord. Ein Drohbrief. Und jede Menge offene Fragen.
Als Linda Osterbruck kurz nach dem Mord an ihrer Kollegin einen Drohbrief erhält, packt die junge Justizvollzugsbeamtin kurzentschlossen ihre Sachen und fährt zu ihren Zieheltern. Doch schon in der ersten Nacht stellt sich heraus: Auch hier ist sie nicht sicher. Linda soll sterben. Koste es, was es wolle.
»Sabine Schumachers Schreibstil ist elegant, wortgewandt und voller feiner Zwischentöne.« (Heidelinde Penndorf)
»Die Autorin besitzt diese seltene Gabe, mit jedem einzelnen Satz Bilder im Kopf entstehen zu lassen.« (Schmökerwelten)
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Leseprobe
Unzählige Fragen schossen Linda durch den Kopf, während sie den Flur zum Besprechungsraum hinuntereilte. Und auf keine einzige davon hatte sie eine zufriedenstellende Antwort.
Was wollte die Kriminalpolizei von ihr? War etwas Schlimmes passiert? Ein Einbruch vielleicht? Aber wer sollte bei ihr etwas stehlen wollen? Außer einem relativ neuen Fernsehgerät gab es in ihrer Wohnung nichts zu holen. Ob es etwas mit diesen anonymen Anrufen zu tun hatte, die sie seit einigen Wochen nachts bekam, stets mit unterdrückter Nummer? Der Anrufer schwieg beharrlich, nur sein Atmen war zu hören – bis die Verbindung schließlich abbrach. Aber sie hatte keinem davon erzählt! Wollte nicht zugeben, dass es ihr nie gelang, das Gespräch einfach wegzudrücken oder das Handy sogar ganz auszuschalten. Sie vermutete, dass Deniz Kaya dahintersteckte, ihr patriarchalisch geprägter Exfreund, der ihre Trennung nicht wahrhaben wollte. Nicht akzeptieren konnte.
Was also dann?
Oh mein Gott! Tante Heidrun und Onkel Richard! Linda blieb vor Schreck ruckartig stehen, nur um gleich darauf noch schneller voranzuschreiten. Einem von ihnen musste etwas zugestoßen sein. Ihre Füße schienen kaum mehr den Boden zu berühren. Es musste lächerlich aussehen, wie sie mit wackelnden Hüften den Gang hinunterhetzte. Überall waren Kameras. Auch wenn sie hier völlig allein unterwegs war, wurde sie mit Sicherheit von mehreren Augenpaaren beobachtet. Aber das war ihr egal. Rasch zu laufen oder gar zu rennen war nur in Notfallsituationen erlaubt. Linda hielt sich streng an die Vorschriften. Hatte es immer getan. Plötzlich vor Sorge kaum noch atmen zu können, den Herzschlag bis in den Hals zu spüren, berechtigte nicht dazu, über die Flure zu sprinten und damit vielleicht einen Alarm auszulösen.
Linda bemühte sich, ruhig zu bleiben. Tief durch die Nase einatmen, befahl sie sich selbst. Und langsam durch den Mund wieder aus. Der Versuch misslang.
[…]
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