Der Pilot Carl Wyler fliegt Fracht um die Welt, zuverlässig und routiniert. Doch dann tauchen mysteriöse Spezialcontainer an Bord seiner Maschine auf und er stellt Fragen, auf die niemand antworten will. Seine Nachforschungen bringen ihn auf die Spur eines globalen Netzwerks – und in Lebensgefahr.
Unterdessen kämpfen Menschen auf der ganzen Welt mit ihren eigenen Entscheidungen: ein korrupter Beamter in Ecuador, ein Flughafenarbeiter in Atlanta oder ein Wissenschaftler in Uganda. Sie wissen nichts voneinander und doch sind ihre Schicksale über ein unsichtbares System miteinander verwoben. Als Carl seine Rolle darin erkennt, muss eine schwerwiegende Entscheidung treffen …
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Leseprobe
In der Zwischenzeit durchforstete Mirja ihre Kontakte in Großbritannien. Irgendjemand mit Verbindungen zur Community der Exilchinesen müsste kurzfristig eine heikle Mission organisieren: Eine Frau mit Ähnlichkeit zu Natalie Chow müsste gefunden und für einen kostenlosen Last-Minute-Trip in die Emirate gewonnen werden. Ein bisschen Strand, ein wenig Shopping und ein tolles Hotel – das wäre die nette Seite der Reise. Die unangenehmere wäre die Bürokratie: Wenn Natalie Chow mit dem britischen Pass der glücklichen Urlauberin in Großbritannien angekommen wäre, müsste sie auf der britischen Botschaft zerknirscht den Verlust ihres angeblich gestohlenen Reisedokuments anzeigen und Ersatz beantragen.
***
Von alldem ahnte Natalie Chow in ihrem Mongkok-Refugium nichts. Auf einem der überfüllten Straßenmärkte hatte sie bei einem Stand für gebrauchte Bücher alle Bänder von „Harry Potter“ gekauft, nachdem sie ihren Vorrat an Mineralwasser und Instantnudeln aufgestockt hatte. Nun verbrachte sie ihre Zeit mit Hexen und Muggeln und fühlte sich in ihre frühe Jugend zurückversetzt, in der sie als Teenagerin nächtelang in ihren Fantasyromanen versunken war, bis ihr schließlich – praktisch über Nacht – die harte Realität chinesischer Machtpolitik dazwischengekommen war. Seither hatte Natalie kaum mehr zu ihrem Vergnügen gelesen und fragte sich nun, weshalb sie sich solches Lesevergnügen nie wieder gegönnt hatte. Obwohl ihr der Grund klar war: Sie war zu beschäftigt gewesen. Mit dem Widerstand. Mit sich selbst. Womöglich hatte sie damit ein gutes Stück Leben verpasst und dass der englische Zauberlehrling sie nun durch eine mehr als unsichere Zeit begleitete, kam ihr wie eine durchaus magische Ironie vor.
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Während Mirja in Basel auf Rückmeldungen vom Persischen Golf und aus Großbritannien wartete, geschah etwas sehr Ungewöhnliches.
„M99“ stand auf dem Handydisplay, dazu eine Positionsangabe, die sie auf dem ersten Blick nicht einordnen konnte.
„Jungs!“, rief sie in den Raum, in dem nur Kai und Chico anwesend waren. „Ich glaube das ist ‘ne Premiere: Zwei Jobs zur gleichen Zeit.“
Chico setzte seinen Klugscheißer-Blick auf und antwortete: „Nicht ganz. Im zweiten oder dritten Jahr hatten wir das schonmal. Mexiko und Angola, wenn ich nicht irre. Ist beides nicht gut ausgegangen…“
[…]
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