„Sekunden“ von Kurt Johanson


Morsen hat die Zeit im Griff. Auch wenn es nur Sekunden sind, ändert das alles. Soweit die Luft eines Atemzuges reicht, reist Thomas Morsen in die Vergangenheit. Diese „Mikro-Zeitreisen“ machen ihn zum Meister des Augenblicks und wann immer der Moment entscheidet, ist Morsen der Sieger.

Das ändert sich, als er eine aufregende Entdeckung macht: Er ist nicht allein mit seiner seltenen Gabe. Also macht sich auf die Suche und findet sich unversehens im Abenteuer seines Lebens wieder. Ein atemloser Wettlauf über drei Kontinente führt schließlich bis nach Kalifornien.

Hier steht plötzlich das Schicksal vieler Menschen auf dem Spiel, die davon keine Ahnung haben. Morsen und seine Mitstreiter haben kaum eine Wahl: Sie werden zu Helden wider Willen, doch Anerkennung können sie dafür nicht erwarten …

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„Was wollt ihr?“
Morsen und Krycek blieben wie angewurzelt stehen. Wie hatte der Pagenkopf sie entdecken können in diesem Gewühl?
„Eigentlich nur reden…“, stammelte Krycek.
„Und worüber?“, blaffte sie. „Seid ihr Fans oder … Stalker? Aber so seht ihr eigentlich nicht aus. Was soll das also?“
Morsen entschied sich für die direkte Konfrontation. „Wir wissen, was du tust. Oder besser: wie du das tust was du tust.“
Naruko widerstand dem Impuls, diese Begegnung mit einem Reverse zu beenden. Sie war neugierig. Sahen ja recht harmlos aus, die beiden. Was sollte das wohl werden? „Und wie meint ihr, dass ich tue was ich tue?“
„Du gehst in der Zeit zurück. Mikrozeitsprünge. So wie wir.“
Wie gelähmt stand Naruko mitten im Trubel der Metrostation von Shibuya. Unvermittelt liefen ihr Tränen übers Gesicht, was sie erst bemerke, als einer der beiden Typen ihr ein Taschentuch entgegenstreckte. „Danke“, schluchzte sie. Alle Selbstsicherheit war von ihr abgefallen und gleichzeitig fühlte sie sich auf bislang ungekannte Art verbunden mit den zwei Fremden. Falls sie tatsächlich meinten, was sie sagten, war sie plötzlich nicht mehr allein mit sich und ihrer Gabe. Eine Welt hatte sich für sie eröffnet, deren Existenz sie noch nicht einmal in Betracht gezogen hatte. Denn niemals zuvor war ihr der Gedanke gekommen, dass auch andere Menschen über die gleichen Fähigkeiten verfügen könnten wie sie. Und daraus hatte sich wohl auch eine ganz natürliche Einsamkeit ergeben, die sie fast ihr ganzes Leben begleitet hatte und die sie nicht einmal als solche wahrgenommen hatte. Bis zu diesem Moment.

[…]


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