»Ich gehe noch ein wenig in den Keller …«, sagte Will, um wie jeden Abend an seinen Modellen zu basteln. Es sollte sein letzter Gang werden.
»Ob er heute wieder zuschlägt?«, fragte Amy leichthin. »Wer denn, Süße?«, wollte ihre Mutter wissen. »Na, der Freitags-Killer …«
Helles Licht und lautes Gelächter drang von den Straßen zu dem Unterstand. Das Leben tobte in den engen Gassen des kleinen Städtchens in der Pfalz. Doch das spielte keine Rolle mehr. Die Person, die zwischen den Fässern lag, spürte nichts mehr.
In ihrer neuen Anthologie hat Rosemarie Benke-Bursian (alias Elli Rose) sechzehn packende Krimis zu einer Sammlung zusammengetragen, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt: heiter, dramatisch oder bitterböse … und immer wie gewohnt mörderisch spannend.
Einkaufen: Kindle | Taschenbuch
Kennenlernen: Rosemarie Benke-Bursian
Inhalt
Neal Skye: Axt ist aus der Mode
Marie Bastide: Die dreizehnte Fee
Anja Puhane: Gut genug
Julia Mehrheimb: Eine Weinkönigin dankt ab
Jörg Luzius: Story 1 – Mors certa – Der Tod ist gewiss
Ingrid J. Poljak: Lara
Anja Puhane: Sommervögel
Rebecca Schneebeli: Rosenmord
Neal Skye: Entschuldigung, Vivian!
Cornelia Härtl: Eine Begegnung für die Ewigkeit
Petra Stangier: Hoppelchen
Mona Moldovan: Der letzte Sommer der Unschuld
Jörg Luzius: Story 2 – Hora incerta – Die ungewisse Stunde
Ingrid J. Poljak: Tot mit rotem Tuch
Neal Skye: Tod des Wikingers oder Mistgabel des Todes
Elli Rose: Sommer – Sonne – Hitzetod
Leseprobe
Sommer-Sonne-Hitzetod von Elli Rose
Die Stadt ächzte unter einer sengenden Hitze, die gnadenlos bis in kleinste Winkel von Straßen und Gebäuden drang und selbst die stärksten Naturelle zermürbte.
Bereits den fünften Tag in Folge waren die Temperaturen über die 40-Grad-Marke geklettert. Während der Mittagszeit lag der Ort wie ausgestorben da, die flirrende Luft machte jeden Atemzug zur Qual. Erst in den Abendstunden schleppten sich schwitzende Passanten durch die Straßen, um notwendige Angelegenheiten zu erledigen.
Die Krankenhäuser waren überfüllt mit Menschen, die unter den Auswirkungen dieser seit Wochen anhaltenden extremen Hitzewelle litten. Vor allem ältere Menschen brachen vor Erschöpfung zusammen, die Todesfallrate wuchs von einer Höchstrate zur nächsten und erhitzte die Gemüter von Bevölkerung und Behörden gleichermaßen.
Keine Frage, hier sollte gehandelt werden.
Aber wie?
Es war Urlaubszeit und damit stieg auch der Personalmangel im Rathaus, im Krankenhaus und nicht zuletzt bei der Polizei auf ein Rekordniveau.
***
»Hitzetod, mein herzliches Beileid.« Mit betrübtem Blick schaute der herbeigerufene Arzt auf seinen langjährigen Patienten, Richard Albertz. »Ich vermute, er ist einfach vor dem Fernseher eingeschlafen und hat nicht bemerkt, wie die Nachmittagssonne diesen Platz hier immer mehr aufheizt.« Er schüttelte den Kopf. »Dabei haben wir gerade noch gestern davon gesprochen, wie wichtig es ist, dass er bei diesem Wetter ausreichend trinkt, die Gardinen zuzieht, besser noch die Rollläden runterlässt …«
Er drückte die Haut am Unterarm des Toten zusammen. Als er sie losließ, blieb die Falte weiterhin stehen. »Sehen Sie? Er blickte zu Dominik, Albertz Neffen, und dessen Mutter Maria Königstein, die Schwester des Toten. »Komplett ausgetrocknet. Das hält nicht mal der robuste Kreislauf eines jungen Menschen aus.« Er holte ein Formular aus seiner Tasche. »Das wird jetzt leider eine polizeiliche Untersuchung nach sich ziehen, aber …«
»Was?« Frau Königstein sah ihn erschrocken an. »Wieso das denn?«
»Reine Routine. Weil es kein natürlicher Tod ist. Aber machen Sie sich keine Sorgen.«
»Was ist denn an einem Hitzetod nicht natürlich? Bei diesen Temperaturen!«, fragte Dominik mit erstaunter Stimme.
»Ich verstehe Ihre Frage. Aber Ihr Onkel ist weder an Altersschwäche noch einer Krankheit gestorben. Damit gilt sein Tod als unnatürlich. So wie es ein tödlicher Unfall wäre.«
»Und was heißt das? Was passiert jetzt?« Mit unglücklichem Blick sah Frau Königstein zu ihrem Sohn.
Der zuckte mit den Achseln.
»Wie gesagt, es wird eine polizeiliche Ermittlung geben“, sagte der Arzt. „Wie bei allen Hitzetoten dieser Tage. Ich nehmen an, man wird Sie befragen und wenn dann feststeht, dass er leichtfertigerweise in der prallen Nachmittagssonne eingeschlafen ist … Glauben Sie mir, die Polizei freut sich ebenso wenig auf diese Untersuchung wie sie. Aber das ist Vorschrift.«
[…]
Entdecke mehr von Buch-Sonar
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

