„Verliebt in Alabama“ von Hanna Julian


Von New York in eine Kleinstadt in Alabama ziehen? Genau davon träumt Josh!

Nach einem folgenschweren Unfall setzt er seinen Wunsch in die Tat um. Er nimmt einen Job als Bibliothekar an und ist umgehend ein Teil des quirligen Lebens in Tiny Hollow. Das Farmhaus, das er gekauft hat, liegt hinter dem Grundstück des herrschsüchtigen Ranchers Ruben Willow. Entschädigt wird Josh für den unangenehmen Weg durch das Kennenlernen von Aidan Scott. Als er von dessen Lebensgeschichte erfährt, ist Josh zutiefst bestürzt, denn er hat sich längst Hals über Kopf in den attraktiven Nachbarn verliebt. Aber Aidan ist mit Willows Tochter Nancy verlobt.

In der eigenwilligen Isabell Harding findet Josh eine gute Freundin und Vertraute. Doch auch sie hat ihre Geheimnisse, die Josh auf so manche Probe stellen.

Das Kleinstadtleben steckt nicht nur voller Herausforderungen, die Josh nicht erwartet hatte, sondern einige Umstände erfordern von ihm auch eine gehörige Portion Mut. Josh ist bereit, über sich selbst hinauszuwachsen, um zu helfen wo er kann – und sich den Traum von einem glücklichen Leben zu erfüllen.

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Leseprobe

Ein Neubeginn
Als Josh hinter dem Tresen saß und die Schränke mit den Karteizetteln fast schon liebevoll streichelte, stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht. Er war angekommen – endlich! Ja, dieses Gefühl der Zufriedenheit hatte er in New York vermisst. In Tiny Hollow war man also absichtlich rückständig. Es war Peter Winscoms freie Entscheidung gewesen, die Computer aus der Stadtbibliothek wieder zu verbannen. Und mit einem Bürgermeister, dessen Frau unter den technischen Neuerungen gelitten hatte, war ihm der Rückschritt offenbar auch denkbar einfach gemacht worden. Josh hatte im ersten Moment geglaubt, ihm würde das Probleme bereiten, doch wenn er jetzt richtig darüber nachdachte, fand er es ganz angenehm, sich auf etwas Neues – oder in diesem Fall wohl besser auf etwas Altes – einzulassen.
Mandy hatte im kleinen Pausenraum, der durch eine kaum scheinbare Tür hinter dem Tresen zu erreichen war, ihre Handtasche geholt. Sie kam zurück und blieb schräg neben Josh stehen. Ihr hübsches Gesicht zeigte ein sympathisches Lächeln.
„So habe ich Sie mir vorgestellt – zumindest in meinen hoffnungsvollen Träumen“, sagte sie mit so viel Wärme in der Stimme, dass Josh einen Anflug von Panik verspürte. Er wusste, wie er auf Frauen im Allgemeinen wirkte – aber das war absolut nicht seine Absicht!
„Ich äh … danke. Glaube ich.“ Er fühlte sich wie in der Junior Highschool, als Patsy White plötzlich vor ihm gestanden hatte, um ihm zu offenbaren, dass sie sich unsterblich in ihn verliebt habe. Er war nur höflich zu ihr gewesen und hatte bis dahin keine Ahnung gehabt, dass das manchmal schon reichte, um ein Mädchen in sich verliebt zu machen. Ein Effekt, der in dieser Art nicht in seinem Sinne war, das hatte er damals schon genau gewusst. Darum war er zwar höflich geblieben, aber auch vorsichtiger geworden. Und er hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, die Dinge gleich beim Namen zu nennen, zumindest, sobald er sein erstes hilfloses Gestammel hinter sich gebracht hatte.
„Sie haben von mir geträumt?“, fragte er daher mit einem schiefen Grinsen, ließ jedoch keinen Zweifel daran, dass er eine Antwort haben wollte. Nun riss Mandy die Augen weit auf, als wäre ihr erst klar geworden, wie ihre Worte verstanden werden konnten. Unweigerlich wurden diesmal nicht nur die üblichen Flecken in ihrem Gesicht rot, sondern auch der Rest, inklusive der Ohren.
„Ich meinte das nur, weil mir die Bibliothek wirklich am Herzen liegt. Als Kind habe ich schon Stunden hier verbracht, obwohl ich kaum lesen konnte. Peter und ich sind schon seit Ewigkeiten befreundet gewesen. Zu Anfang war er wie ein Grandpa für mich, aber je älter ich wurde, desto mehr hat er mich als eine Freundin angesehen. Ich wollte einfach gerne, dass er einen würdigen Nachfolger bekommt. Und als ich Sie gerade sah, dachte ich, dass er ihn bekommen hat. Sie scheinen hier genau in Ihrem Element zu sein. Obwohl Sie gerade erst angekommen sind, und zum ersten Mal auf Peters Stuhl sitzen, wirken Sie so, als hätten Sie das schon immer getan – das war es, was ich damit meinte. Tut mir leid, wenn es anders klang. Aber vielleicht sollten Sie wissen, dass Jason und ich eine sehr glückliche Ehe führen.“
„Das freut mich für Sie und für Jason. Es tut mir leid, wenn ich Sie in Verlegenheit gebracht habe. Aber ich dachte, wir klären das vielleicht besser, bevor wir zusammenarbeiten. Ich freue mich übrigens sehr darauf! Und Sie haben recht, ich fühle mich wirklich wohl hier.“
Mandy schien ebenfalls erleichtert, dass sie Tacheles geredet hatten. Sie seufzte zufrieden, hängte sich die Tasche über die Schulter und sagte: „Dann sehe ich mal zu, dass ich jetzt nach Hause komme. Frisch gebackene Fünfjährige warten nicht gerne zu lange auf ihre Party.“
„Das kann ich mir vorstellen. Gutes Gelingen!“
„Danke!“ Sie war bereits an der Tür, als sie sich nochmal umdrehte und mit einem Lächeln ankündigte: „Morgen zeige ich Ihnen dann die geheimen Karteikästen von Peter – die, mit den Zusatzinformationen. Bis dann!“ Ehe er etwas erwidern konnte, war sie auch schon durch die Tür. Josh war klar, dass er sie dank seines Handicaps selbst dann nicht einholen könnte, wenn er es wirklich wollte. Aber noch viel klarer war ihm, dass Mandy ihm einen Grund bieten wollte, auf den morgigen Tag ganz besonders gespannt zu sein. Und tatsächlich verspürte er einen Kitzel, den ihre Worte bei ihm bewirkt hatten. Denn was immer in dieser Kartei vermerkt war, schienen keine bibliographischen Zusatzinformationen zu den Büchern zu sein. Vorerst galt es jedoch seine Neugier zu zähmen. Trotzdem blickte Josh sich aufmerksam hinter dem Tresen um. Die geheimen Karteikästen blieben jedoch genau das – geheim!

[…]


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