„Sturm über den Mühlen“ von Gabriele Popma


Eine Frau zwischen zwei Männern. Und ein Familiengeheimnis, das sie in höchste Gefahr bringt

2007: Es war nur ein Flirt auf der Abschlussfahrt nach Amsterdam. Doch nun wird Rick mit seiner achtjährigen Tochter konfrontiert, die für ein halbes Jahr bei ihm bleiben soll, während sich ihre Mutter in Amerika aufhält. Ein unannehmbares Ansinnen an den sorglosen Langzeitstudenten, der das niederländische Mädchen nicht einmal verstehen kann.

Sieben Monate später muss Rick eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die sein ganzes Leben von Grund auf und für immer verändern könnte. Wie weit geht ein Vater, um sein Kind zu schützen? Bricht er sogar das Gesetz?

2024: Nach der emotionalen Trennung von ihrem langjährigen Freund Dominik entwickelt die Augsburger Studentin Marijke Gefühle für den Niederländer Arjen. Er lädt sie ein, eine Woche in ihrem gemeinsamen Heimatland zu verbringen. Sie stimmt erst nach langem Zögern zu, denn sie hütet ein Geheimnis, das dort ans Licht kommen und ihren Vater ins Gefängnis bringen könnte. Und tatsächlich landet sie in einem Albtraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Jemand aus ihrer Vergangenheit hat es auf sie abgesehen. Wird Arjen sie retten können? Und welche Rolle spielt Dominik bei der ganzen Sache?

Ein dramatischer Roman über Liebe, Verrat und folgenschwere Entscheidungen.

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Kennenlernen: Gabriele Popma

Leseprobe

»Komm schon, sei nicht so bequem«, lachte Jolanda und boxte ihn spielerisch in die Rippen. Aber dann kräuselte sie die Nase. »Riechst du das?«
»Was?« Hendrik schnüffelte. »Ich rieche nichts.«
Jolanda tat es ihm gleich. »Jetzt ist es weg. Für einen Moment dachte ich, es riecht nach Rauch.«
»Vielleicht hat wieder jemand im Treppenhaus geraucht.« Hendrik zuckte mit den Schultern und öffnete die Tür zur Treppe. Er stockte. »Du hast recht«, stellte er beunruhigt fest. »Und das ist kein Zigarettenrauch.«
Polternd kam Kim die Stufen heraufgelaufen. »Mama, Papa, da ist ganz dicker Qualm im ersten Stock«, keuchte sie.
»Oh mein Gott«, entfuhr es Jolanda. »Glaubst du, es brennt?« Der Schrecken drückte ihr die Kehle zu.
»Hoffentlich nicht«, brummte Hendrik, doch er nahm seine Tochter fest an die Hand. »Lass uns nachsehen.«
Jolandas Herz klopfte bis zum Hals, als sie in den immer dichter werdenden Rauch eintauchten. Es wurde deutlich wärmer. Es brennt wirklich, dachte sie entsetzt. »Lieber Himmel, die Firma brennt«, stieß sie atemlos hervor. »Der Knall vorhin. Meinst du, es ist doch etwas explodiert?«
»Möglich.« Hendrik zog sich den Stoff seines T-Shirts vor Mund und Nase und bedeutete Frau und Tochter, es ihm nachzutun. Das Mädchen begann zu schniefen.
»Keine Angst, mein Schatz«, beruhigte er sie und nahm sie auf den Arm. »Wir laufen ganz schnell raus.« Er warf Jolanda einen zweifelnden Blick zu. »Halt dich an mir fest.«
Sie nickte und krallte ihre freie Hand in sein T-Shirt.
Der Qualm brannte in ihren Augen und sie konnte die Treppenstufen fast nicht mehr sehen. Sie mussten hier schnellstens raus.
Hendrik öffnete die Tür zum Erdgeschoss und prallte zurück. »Die Produktion brennt«, stieß er keuchend hervor.
Jolanda unterdrückte einen Schrei, als sie die Flammen sah. Es stank nach brennendem Stoff, aber es hing auch der beißende Geruch von Chemikalien in der Luft. Chemikalien, die in höchstem Maße brennbar waren.
»Was machen wir denn jetzt?«, keuchte sie. Der Weg zum Ausgang führte mitten durch das Feuer. Das konnten sie nicht schaffen.
»Hier lang«, entschied Hendrik und wandte sich nach links. »Wir nehmen den Lieferanteneingang.«
Jolanda hustete und röchelte, als sie den Rauch einatmete. Sie hörte ihre Tochter weinen und ihr wurde vor Angst richtig schlecht. »Lieber Gott, lass uns heil hier herauskommen«, flüsterte sie lautlos.
Da krachte es vor ihnen. Eine lange Reihe von Ständern mit neuer Kleidung ging infernoartig in Flammen auf. Hendrik blieb abrupt stehen. »Hier kommen wir nicht durch. Wir müssen es durch den Hauptausgang versuchen.«
»Aber da brennt es auch«, wandte Jolanda verzweifelt ein.
»Wir müssen da durch. So schnell wie möglich, bevor es noch schlimmer wird.«
Er drehte um und lief entschlossen und mit raschen Schritten zurück. »Da vorne«, keuchte er. »Siehst du es? Da können wir durch.«
Jolanda sah gar nichts mehr. Mit aller Kraft hielt sie sich an ihrem Mann fest und stolperte ihm nach. Hinter der Tür zum Lager, die lichterloh brannte, knallten Explosionen, die ihr eine Gänsehaut über den Rücken jagten. Was passierte hier nur? Wieso waren sie plötzlich mitten in einem brennenden Gebäude? Sie zuckte heftig zusammen, als neben ihr eine Stichflamme in die Höhe schoss, und verlor den Halt. Desorientiert blieb sie stehen.
»Jolanda«, rief Hendrik. »Wo bist du?«
»Mach dir keine Sorgen um mich. Du musst Kimmy hier rausbringen. Ich bin gleich hinter euch.« Sie hoffte, dass ihr Mann tat, worum sie ihn gebeten hatte. Ihre Tochter in Sicherheit zu bringen hatte oberste Priorität. Sie drehte sich kurz um ihre eigene Achse, um sich zu orientieren. Da krachte plötzlich ein brennender Balken von der Decke, knallte knapp neben ihr zu Boden und ließ das Feuer hochstieben. Entsetzt sprang Jolanda zur Seite und knickte um. Für einen Moment setzte sie sich und rieb sich stöhnend über den schmerzenden Knöchel. Nur jetzt nicht noch den Fuß brechen, dachte sie verzweifelt. Der Fußboden war so heiß, dass sie es nicht länger aushielt. Mühsam kam sie auf die Beine und versuchte, den Fuß zu belasten. Es schmerzte heftig, doch sie konnte auftreten. Als sie sich umsah, griff helle Panik nach ihr. Sie war vom Feuer komplett eingeschlossen und hatte keine Ahnung, wo der rettende Ausgang lag.

[…]


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