Ein Titel, der schockiert – ein Inhalt, der berührt.
In „Für mich bist du tot“ teilt die Autorin ihre zutiefst persönliche Geschichte: den Verlust ihres Sohnes, nicht durch Tod, sondern durch Ablehnung. Vor zehn Jahren brach er abrupt und voller Feindseligkeit den Kontakt ab, eine Entscheidung, die sie nicht nur überraschte, sondern zutiefst verletzte und ihr Leben für immer veränderte.
Mit großer Offenheit beschreibt die Autorin, wie sie mit diesem unvermittelten Bruch umging, welche Fragen sie sich stellte und wie sie langsam lernte, mit dem unermesslichen Schmerz zu leben. Es ist eine Geschichte über Verlust, Trauer, aber auch über Resilienz und die Suche nach innerem Frieden.
Dieses Buch gibt nicht nur Einblicke in das Tabuthema familiärer Entfremdung, sondern bietet auch Trost und Verständnis für Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Eine tiefgreifende, ehrliche und bewegende Lektüre, die uns zeigt, wie zerbrechlich Beziehungen sein können – und wie stark die menschliche Seele ist.
Ein Muss für alle, die sich für die Abgründe und Höhen des familiären Zusammenlebens interessieren oder die Kraft der Heilung spüren möchten.
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Kennenlernen: Elisabeth Charlotte
Leseprobe
Die Geburt sollte im Februar stattfinden. Mein zukünftiges Kind hat ein Einsehen und erlöste mich bereits einige Tage früher. Abends gegen 22 Uhr spürte ich, dass es nun wohl so weit sein würde. Es kam zu einem Blasensprung. Jetzt war mir alles, was mit mir geschehen würde, egal. Meine Mutter beruhigte mich und wir machten uns sofort, zunächst zu Fuß, dann per Bus, auf den Weg zum Krankenhaus. Es war verrückt und leichtsinnig, da ich eigentlich mit einem Blasensprung hätte liegend transportiert werden müssen. Aber alles ging gut. Ich war froh und dankbar, meine Mutter in diesem Moment in meiner Nähe zu haben. Bereits wenige Minuten nach der Ankunft im Krankenhaus begannen die ersten Wehen. Die Schwester begann mit der Vorbereitung auf die Geburt. Ich war wie in Trance und ließ alles mit mir geschehen. Ich wusste nur, in den nächsten Stunden würde ich mein Kind in die Arme nehmen. Die Stunden verliefen sehr schmerzhaft. Es sollte noch etwas dauern … erst am nächsten Morgen gab man mir die alles entscheidende Spritze und schon ging es los. Die Presswehen setzten ein. Oh weh, dagegen waren die Wehen vorher ja reiner Kinderkram. Jetzt wurde es um mich herum sehr hektisch. Ich war umgeben von mehreren Hebammen und Ärzten. Sie redeten mit mir und gaben mir Anweisungen. Ich ließ alles, wirklich alles mit mir geschehen. Endlich war es dann vorbei. Um 7:10 Uhr war er da. Mein Sohn. 4120 Gramm schwer und 53 cm groß. Es war ein sehr kalter und verschneiter Tag im Januar 1970. Es war der schmerzhafteste, aber auch der schönste Tag meines Lebens. Als die Hebamme mir das kleine Wesen auf die Brust legte, war ich überwältigt. Und ich versprach, dass ich für dieses Kind da sein werde und ihm eine unbeschwerte Kindheit ermöglichen würde. Mein Wunsch war es, ihn von meiner Mutter fernzuhalten. Ich weiß heute, dass diese Entscheidung vielleicht ein Fehler war. Möglicherweise habe ich ihm dadurch einen großen Teil meines Lebens und des Lebens allgemein vorenthalten. Doch zum damaligen Zeitpunkt gab es nur diesen Weg für mich und der fühlte sich gut und richtig an.
Nun war auch für meinen Sohn der große Tag gekommen. Mein kleiner Prinz kam in dieselbe Schule, die meine Geschwister und ich schon mehr oder weniger erfolgreich besucht hatten. Natürlich war es auch für ihn ein ganz besonderer und aufregender Tag. Seine Schultüte war allerdings deutlich besser gefüllt als meine vor vielen Jahren. Nach dem feierlichen offiziellen Teil der Schule fand eine kleine bescheidene Feier bei uns zu Hause statt. Seine Gäste waren ein Freund von Sascha aus dem Aufgang nebenan, Sabrina, ihre Tochter und meine Großmutter. Annemarie, meine Kollegin aus der Säuglingskrippe, war ebenfalls anwesend. Saschas Vater war nicht anwesend, da unsere Beziehung sehr instabil war und zu der Zeit wieder einmal auf Eis gelegt wurde. Meine Mutter war ebenfalls nicht anwesend. Früh habe ich begonnen, meinen Sohn zur Selbstständigkeit zu erziehen. Es blieb mir nichts weiter übrig. Doch der Weg in die Schule sollte für ihn eine Herausforderung sein. Er war lang und nicht ganz ungefährlich, führte über eine stark befahrene Hauptstraße. In dieser Gegend gab es bislang noch keine Ampeln. Bereits Wochen vor dem ersten Schultag habe ich mit ihm den Schulweg geübt. Wir gingen mehrfach gemeinsam, ich erklärte ihm, wie er sich verhalten und worauf er achten sollte. Anschließend erfolgte meine Kontrolle. Er musste seinen zukünftigen Schulweg nun alleine gehen und ich beobachtete sein Verhalten im gewissen Abstand. Er hatte keine andere Wahl, er musste es erlernen. Die jungen Eltern, die ihre Kinder heutzutage gerne bis ins Klassenzimmer begleiten möchten, werden wohl entsetzt sein. So war es damals, als unsere Kinder alleine und vor allem zu Fuß zur Schule gingen. Sascha machte alles perfekt. Ich war erneut stolz auf ihn. Die Angst, dass etwas passieren könnte, blieb natürlich weiterhin bestehen.
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