„Rotbartsaga: Südpazifische Abenteuer“ von Wolfgang Schwerdt


1658 tritt Rotbart mit seiner Crew seine zweite große Reise, diesmal in den Südpazifik, an. Dort erwartet sie ein befremdliches Universum ganz ohne Katzen, dafür aber mit stinkenden Teufeln, Monstervögeln, Riesenhüpfern und Zweibeinern, die über unheimliche spirituelle Kräfte verfügen. Als ob das noch nicht genug ist, haben es die Schiffssamtpfoten auch noch mit einem wahnsinnigen Kapitän zu tun, der den Zorn der Klabautermiez auf sich zieht.

Zurück in bekannten Gefilden treffen sie in den ostindischen und südafrikanischen Katzenspelunken auf alte Bekannte und bei ausgiebigen Gelagen wird so manches Abenteuer, hinter vorgehaltener Pfote erzählt, noch etwas wilder und der Kampf noch ein bisschen gefährlicher. Aber nicht einmal für den legendären Käpt’ns Dream oder kurz Dreamie, einem Fleisch-Cheddar-Minze-Pie, würden sie die Planken missen wollen, die für Schiffskatzen die Welt bedeuten.

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Leseprobe

Vorsichtig pirschten sich die Katzen durch den lichten Wald, folgten hier einem Rascheln, dort einem Zwitschern und beobachteten kleine seltsame Nager, die über den Boden huschten oder in den Bäumen herumwuselten. Manche der knopfäugigen Tierchen schienen den Katzen eine gute Beute, aber das Fangen erwies sich schwieriger als gedacht. Das lag nicht nur an der getüpfelten Konkurrenz, die hinsichtlich dieser wuseligen huschenden und hüpfenden Mahlzeiten schlichtweg erfahrenere Jäger waren und ihnen gelegentlich die „was auch immer“ vor der Nase wegschnappten. Auch das irre Lachen, das aus den Bäumen tönte, wenn sie sich einem vermeintlichen Opfer näherten, schmälerte die Aussichten auf Jagderfolge erheblich. Offensichtlich hatten es sich die geflügelten Alarmanlagen zur Aufgabe gemacht, die Fremden auf Schritt und Tritt zu begleiten und die heimische Tierwelt vor ihnen zu warnen.
Frustriert legten die beiden Katzen am Ufer eines kleinen klaren Sees eine Pause ein.
„Was für ein seltsamer Ort“, maunzte The Paw, „hast du hier eigentlich schon irgendein bekanntes Lebewesen gesehen? Selbst die, die unseren Heimischen ähneln sind alle irgendwie seltsam, anders, komisch.“
„Ja“, bestätigte Rotbart, „selbst die Bewohner Sumatras waren mir sehr viel vertrauter als diese hier.“
„Na ihr seid vielleicht witzig“, brummte es aus einer Höhle am Ufer, „seltsam, merkwürdig, komisch. Habt ihr euch schon einmal selbst angeschaut, wie ihr da so rumschleicht und euer Schwanz zuckt? Und erst eure riesigen Augen, von euren Stimmen gar nicht erst zu reden.“
Für die Menschen hörte es sich an wie ein langanhaltendes Brummen. Da sich aber alle Tiere auf der Welt unabhängig von ihren jeweiligen Lautäußerungen untereinander verstehen können, schauten sich Rotbart und The Paw überrascht an. „Ich finde, wir sehen gut aus“, gurrte The Paw im Brustton der Überzeugung. „Sehr gut sogar, bestätigte Rotbart, schließlich sind wir Katzen und damit von Natur aus perfekt!“
Dem bepelzten Tier mit dem breiten platten Schwanz, das sich nun langsam aus der Höhle schob, hatte es fast die Sprache verschlagen. Erstaunlich flink hatte es sich mit seinen schwimmhautbewehrten Füßen wie eine Echse die Uferböschung hochgearbeitet und schaute die beiden neugierig über seinen breiten Schnabel aus schwarzen Knopfaugen an.
„So so, perfekt“, das Brummen des Tieres ging in ein Stakkato über und Rotbart war sich sicher, dass es sie auslachte.
„Ein Entenbiber“, staunte er.
„Oder vielleicht eine Biberente?“ The Paw grübelte.
„Quatsch, eine Ente hat nur zwei Füße, es ist ein Entenbiber“, bestand Rotbart auf seiner Klassifizierung. „Ob er wohl schmeckt?“ Er gurrte anzüglich und zeigte dem Schnabeltier seine nadelspitzen Eckzähne, während seine Krallen genüsslich aus- und einfuhren. Immerhin stand es so einem Wesen nicht zu, sich ausgerechnet über Katzen lustig zu machen.

[…]


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