„Verliebt über beide Räder“ von Tessa Hennig

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Beste Unterhaltung mit Herz und Humor von Bestsellerautorin Tessa Hennig

Marlis gibt Yogakurse in einem Seniorenstift und hat seit ihrer Scheidung mit Männern nichts mehr am Hut. Ihre Enkelin Jana promoviert in Freiburg zum Thema »perfekte Beziehung« und ist gut vorbereitet auf ihren Traummann – theoretisch jedenfalls. Als Marlis’ neuer Nachbar Jürgen zur Beerdigung seines Freundes an die Costa Blanca reisen will, beschließen Marlis und Jana, ihn zu begleiten. Jürgen ist auf Hilfe angewiesen, denn er sitzt im Rollstuhl.

Für Marlis und Jana ist die Reise eine willkommene Abwechslung von ihrem Alltag. Doch die erhofften Gratisferien entpuppen sich als reines Chaos: Jürgen scheint keineswegs der Eigentümer der Finca zu sein, wie er vorgegeben hatte. Er verstrickt sich in Ausreden und Widersprüche. Unterdessen gerät Jana an einen attraktiven Vollmacho, der ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Liebe total über den Haufen wirft. Warum sind sie wirklich an der Costa Blanca? Marlis will es unbedingt wissen und stößt auf ein brisantes Geheimnis, das ihr und Jürgens Leben, aber auch das von Jana für immer verändern wird …

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Kennenlernen: Tessa Hennig

Leseprobe

Yogastunden in einem Seniorenheim mit betreutem Wohnen zu geben machte Spaß und verschaffte Marlis zudem das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Das erfreute naturgemäß eine Yogi-Seele, denn wer Gutes tat, bekam es vom Universum hundertfach zurück – zumindest rein theoretisch und definitiv nicht monetärer Natur. Marlis war angesichts ihrer mageren Rente aus früheren Festanstellungen dankbar für den Job. So viel war in ihrem Vorleben als Verkäuferin in einem Warenhaus und seit ihrer Ausbildung zur Yogalehrerin vor gut zwanzig Jahren aus Teilzeitverträgen mit diversen Fitnessstudios nicht zusammengekommen. Sich als Selbstständige einen Raum im Gemeindezentrum oder sonst wo anzumieten, um mehr Kurse anzubieten, lohnte sich nicht, weil nach Abzug der Raummiete vom Honorar dann nicht mehr allzu viel übrig blieb. Zweimal Power-Yoga pro Woche im Freiburger Haus Sonnenschein, damit das dort ansässige Alteisen nicht rostete, peppte die Rente überlebenstauglich auf. Rein alterstechnisch gesehen hätte sie mit ihren achtundsechzig Jahren in dieser Mischung aus Seniorenstift und betreutem Wohnen ebenfalls Wurzeln schlagen können, doch dazu fühlte sie sich noch zu fit – im Gegensatz zu ihrer Gruppe im Alter von 70 plus, die vor einem halben Jahr, als sie diese Aufgabe übernommen hatte, nach der ersten Stunde auf allen vieren aus dem Raum gekrochen war – immerhin lebend, was eine der Teilnehmerinnen während ihrer Schinderei angezweifelt hatte. Unter Yoga hatte sich ihre mittlerweile auf fünfzehn Teilnehmer angewachsene Truppe nämlich etwas anderes vorgestellt. Entspannt im Schneidersitz auf der Matte zu hocken – sofern das die steifen Gelenke überhaupt noch hergaben –, und dabei ein bisschen atmen und meditieren. Das gab’s bei Marlis nicht, weswegen sie sich gleich nach der ersten Stunde den Spitznamen »der General« eingehandelt hatte. Allerdings einer mit Vorbildfunktion, sprich, mit vorzeigbarer Figur und Konfektionsgröße ihrer Enkelin, einem noch in alle Richtungen dehnbaren Körper und nicht zu vergessen den flotten Kurzhaarschnitt – ungefärbt grau. Ihre Uniform war zudem stets modisch bunt. Das wirkte, denn ihr Auftreten entwickelte bei allen Teilnehmern den Ehrgeiz, sich in ihrer Stunde ebenfalls wieder auf Vordermann zu trimmen. Der Eitelkeit und nicht zuletzt der Gesundheit zuliebe. Dabei galt: »No pain, no gain!« Die Mittsiebzigerin Gerda war vor einem halben Jahr noch nicht einmal in den Hund gekommen. Von richtiger Atmung keine Spur. Gerda stand nun da wie eine Eins aus dem Lehrbuch. Die anderen hielten diese Position, die ideal für die Atmung und Stärkung des gesamten Körpers war, schon fünf Minuten durch, ohne zu stöhnen, wie Marlis voller Stolz feststellte, als sie ihren Blick durch den mit bunten Yogamatten gespickten Gemeinschaftsraum schweifen ließ. Musterschüler bis auf den Huber, den einzigen Mann in ihrer Gruppe, ein Neuzugang, der ihre Stunden dringend nötig hatte. Hohlkreuz und hängende Schultern beim Hund? Das ging ja gar nicht.

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