„Wildrosengeflüster“ von Alexandra Schumann


Was wird das Leben dir bringen? Liebe und Glück?

Annas Ende naht, doch bevor sie geht, muss sie ihrer Enkelin Bella eine Geschichte erzählen. Die Geheimnisse ihrer Familie. Anna setzt sich ans Fenster und schreibt ihrer Enkelin einen langen Brief, in dem sie Bella alles anvertraut. Erzählt von ihrer glücklichen Kindheit im Haus am See, die abrupt endet, als ein tragisches Ereignis Annas Leben und das ihrer Geschwister völlig verändert. Nachdem Bella den Brief gelesen hat, muss sie eine wichtige Entscheidung treffen. Und hört dabei auf ihr Herz und das Flüstern der Wildrosen.

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Leseprobe

„Brauchst du was, Grandma?“
Bella, meine Enkelin, hatte mir ihre zarte, schmale Hand fürsorglich auf die Schulter gelegt und
ich tätschelte sie zärtlich.
„Nein, Liebes, danke, ich komme zurecht.“
Ich gab ihr einen Kuss auf ihren Finger, der nach Lavendel duftete.
„Gut, dann mach ich mich jetzt auf den Weg ins Büro.“
Sie küsste mich noch auf mein graues Haar, dann wandte sie sich ab und gleich darauf hörte ich sie das Haus verlassen, ich war allein. Das Aufstehen fiel mir schwer, aber ich schaffte es, schlurfte hinüber zu meinem alten Schreibtisch und setzte mich auf den knarrenden Stuhl, rückte den Stapel Papier vor mir zurecht und griff nach dem Füllfederhalter.
Ich hielt inne und atmete tief durch, die Sonne schien durchs Fenster und mir ins Gesicht, ich schloss die Augen und genoss ihre wohltuende Wärme. Der Frühling war schon immer meine liebste Jahreszeit gewesen. Zuzusehen, wie alles erneut zum Leben erwachte, ließ auch meine Seele stets von neuem aufleben und der Gedanke, dass kein Tod auf ewig war, war mir ein Trost, immer mehr, je älter ich wurde.
Was mich auf der anderen Seite wohl erwarten würde?
Ich schüttelte mich und öffnete meine Augen. Mein Schreibtisch aus dunklem, schwerem Holz stand unterm Fenster und so genoss ich den Anblick des Strands, der Wellen, die in gleichmäßen Abständen ruhig am Ufer ausliefen. Die roten Wildrosen, die ich eigens in meinem Garten gepflanzt hatte, wiesen schon einige Blüten auf, in kürzester Zeit würden sie reich übersät sein. Bella liebte sie so sehr wie ich, aber sie wusste nicht, was mich mit diesen Blumen verband.
Ich betrachtete das leere Blatt vor mir. Ein leeres Blatt ist nur ein Stück Papier, seinen Wert bekommt es erst durch seinen Nutzen, wenn es gefüllt ist, der Wert richtet sich nach dem Inhalt.
Waren wir nicht alle einst ein unbeschriebenes Blatt Papier, um selbst unsere Geschichte zu schreiben, die Geschichte des Lebens mit immer weiter führenden Kapiteln, voll unerwarteter Wendungen, die es zu spannendem Leben entfachten, zu guten sowie schlechten Zeiten.
In der Hoffnung, für Bella möge es wertvoll sein, hatte ich beschlossen, endlich mit dem Schreiben zu beginnen, da ich wusste, wie begrenzt meine Zeit hier auf Erden war. Wertvoll für Bella, zu wissen, woher sie kam, wer sie in Wirklichkeit war… nein, wer ich in Wirklichkeit war. Was ich getan hatte.
Meine Hand, übersät von Falten und Altersflecken zitterte leicht, als ich den Füllfederhalter zum Papier führte mit dem Wissen, die Konsequenzen für meine geschriebenen Worte nicht mehr tragen zu müssen.

[…]


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