Kann die Liebe einen Menschen vor dem Tod retten?
Die attraktive Barkeeperin Stella wird Königin der Hafenstadt genannt. Sie arbeitet in einer Liverpooler Rockbar. Mit dem immer häufiger betrunkenen Stammgast John, den sie liebevoll Johnnyboy nennt, beginnt sie eine Affäre. Anfangs nimmt sie diese noch nicht besonders ernst, doch im weiteren Verlauf entwickelt sich eine flammende Liebe. Trotzdem eskaliert Johns Alkoholkonsum so weit, dass sein Leben bedroht ist. Stella weigert sich, John sterben zu lassen. Sie kämpft um ihn; redet auf ihn ein und ist bereit, ihm alles zu geben, was er für den Antritt eines Entzugs braucht. Wird Stella diesen talentierten und sensiblen Mann vor dem Untergang retten können?
Einkaufen: Kindle | Taschenbuch
Leseprobe
John blickte in Stellas eisblaue Augen und fragte:
»Machst du mir noch einen Drink?«
»Das wird aber der letzte, Johnnyboy«, antwortete sie mit einer gewissen Ernsthaftigkeit in der Mimik.
Es lief Blue Orchid von The White Stripes. Es war ein warmer Freitagabend, wahrscheinlich der letzte in diesem Sommer. Die Rockbar Rhythm & Blues war heute nicht gut besucht, denn es zog die Leute bei diesem Wetter eher in die Parks und an die Küste. Die frisch verliebten Patricia und Brandon waren neben John die einzigen Gäste. Sie aßen Nachos, tranken Bier und konnten die Blicke voneinander kaum abwenden. Das Lokal schloss in etwa einer halben Stunde.
Stella reichte ihrem Gast das Bier: »Bitte sehr!«
John bedankte sich und nahm direkt einen großen Schluck. Die blonde Schönheit Stella verschränkte ihre tätowierten Arme und beugte sich etwas vor. Sie sprach zu ihrem Gast:
»John, ich weiß, dass Liebeskummer unfassbar wehtun kann. Aber das ist kein Grund, dir jetzt einen gepflegten Alkoholismus zuzulegen.«
John, ein großer, schlanker Endzwanziger mit Rockabilly-Kleidungsstil und weichen Gesichtszügen, entgegnete:
»Ich weiß, dass das nicht cool ist. Aber gerade geht es nicht anders.«
Stella blickte genervt nach links. Dann suchte sie Blickkontakt mit John:
»John, du hast meine Empathie. Es passieren schlimme Dinge und manchmal ist es richtig, sich erst einmal in den Alkohol oder sonst etwas zu flüchten. Aber irgendwann muss man sich aufraffen und seinen Weg weitergehen. Es ist okay, zu weinen, zu schreien, zu randalieren und die Welt zu verfluchen. Aber dann muss man in die Wiederaufbauphase übergehen. Doch du sitzt hier seit fast vier Monaten täglich. Hast deine Arbeit geschmissen und versäufst jetzt dein mühsam erspartes Geld. Ich habe dir einen Psychotherapie-Platz vermittelt, aber du bist nicht hingegangen. John, ehrlich, Mann: Wenn du jetzt nichts änderst, endet das nicht gut. Ich verstehe die Situation. Ich war da auch ein, zweimal – oder öfter. Aber wenn du nichts unternimmst, gehst du zu Grunde. Und das wäre eine Tragödie für jeden, der dich ins Herz geschlossen hat. Geh nicht zu Grunde, sondern unternimm etwas. Ich bitte dich so sehr!«
John saß apathisch auf seinem Barhocker. Er brauchte fast eine Minute für eine Antwort:
»Du hast recht. Die Kacke ist am Dampfen. Ich muss etwas tun.«
Patricia und Brandon kamen zum Tresen, um zu bezahlen. Ihre Gesichter wirkten gelöst und zufrieden. Stella rief nun ein Taxi für John. Das Geld, das er für Getränke und Speisen zu zahlen hatte, rundete sie großzügig ab. Schließlich sollte der Pechvogel nicht in noch größere finanzielle Schwierigkeiten geraten. Die zwei Verliebten waren bereits draußen, als Stella ihren John ins Taxi begleitete.
»Ich glaube an dich. Du kommst da raus.«
***
Nun galt es für Stella, den Laden zu reinigen, das Geld zu zählen und einzuschließen und am Ende die Eingangstür zu verriegeln.
***
Stella hatte sich vormittags mit Stacy getroffen, der das Rhythm & Blues gehörte. Am vergangenen Wochenende hatte Stacy ihren 30. Geburtstag gefeiert und Stella hatte selbstverständlich zu den Gästen gehört. Die zwei Freundinnen waren rückblickend sehr angetan von der Feier. Sie lachten über Kurioses, vor allem aber waren sie begeistert darüber, wie gut die Stimmung gewesen war. Nun schloss Stella den Laden auf, wobei sie von hinten John hörte:
»Hi Stella!«
»Johnnyboy, komm rein.« Noch bevor sie die Stühle von den Tischen herunterstellte und die Rollos hochzog, servierte sie ihrem Gast ein großes Bier. Es war Samstag und das Wetter verregnet, weshalb Inhaberin Stacy heute mit vielen Gästen im Laden rechnete. Gerade fingen Stella und John ein Gespräch an, da kamen die verliebten Patricia und Brandon gemeinsam mit Kate und Shauna in die Bar.
»Hallo meine geschätzten Freunde«, rief Stella und fügte hinzu: »Ich komme sofort.«
Der Laden füllte sich allmählich. Musik von Elvis läutete den Tag ein. Doch wer genau hinguckte, bemerkte etwas Skurriles: Junge Menschen, lebensfroh, gut gekleidet und in Feierlaune. Jedoch ein Außenseiter an der Bar: Gebeugt, etwas verwahrlost wirkend, schweigsam. Sein Zittern sah man auch aus mehreren Metern Entfernung. Das Sorgenkind im Rhythm & Blues: John. Dabei war er einst so erfolgreich durchs Leben geschritten. Er war kein Überflieger gewesen, aber ein ehrlich und motiviert arbeitender Mann, der sein Geld in einem Versicherungsunternehmen verdient hatte. Er träumte immer von einem Werdegang als Autor, und gemeinsam mit Stella hatte er eine Novelle namens Sommernachtsträume verfasst, für die sich jedoch kein seriöser Verlag interessiert hatte. Doch er wollte weiterkämpfen. Bis vor einigen Monaten jedenfalls.
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion verließ ihn Cara, seine Partnerin, mit der er vier Jahre lang eine Beziehung geführt hatte, in der er sehr glücklich gewesen war. Während er sich auf der Arbeit aufhielt, holte sie ihre Sachen ab und warf ihren Schlüssel zu seiner Wohnung in den Briefkasten. Kein Abschied. Keine Begründung. Cara brach auch den Kontakt zu gemeinsamen Freunden ab – und das ebenfalls ohne eine Erklärung oder Worte des Abschieds. Sie wurde jedoch einmal am Hafen gesehen. Hand in Hand mit einem Anderen.
John hatte immer schon als sehr sensibel gegolten. Offenbar war es genau diese Eigenschaft, welche das Krisenfeuer immer und immer wieder mit Öl übergoss. Johns Freundeskreis stand hinter ihm. Doch allmählich war man der Ansicht, dass er professionelle Hilfe brauchte. Und, dass es jetzt angebracht war, ganz vorsichtig Druck aufzubauen. Mit eindringlichen Ansprachen wie der gestrigen von Stella.
[…]
Entdecke mehr von Buch-Sonar
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

