Eine Frau, die sich für andere aufopfert.
Ein Mann, der sich nichts traut.
Eine große Liebe in schwierigen Zeiten.
Anne und Fried sind füreinander bestimmt. Seit Jahren verheiratet, sitzen beide beruflich fest im Sattel. Doch die Pandemie ändert alles. Frieds Homeoffice in der Abstellkammer, das Infektionsrisiko beim Einkaufen und intrigierende Mitarbeiter rauben ihm den letzten Nerv. Annes Arbeit im Krankenhaus bringt sie an die Belastungsgrenze, und sie kann nicht alle Patienten vor dem neuen Virus retten.
In diesen schwierigen Zeiten findet das Paar keinen Halt in der Ehe. Fried muss mutiger werden, und für Anne wird es Zeit, öfter an sich zu denken. Ausgerechnet jetzt bedrohen sinnliche Verführungen zusätzlich das Beziehungsglück.
Können Anne und Fried ihre große Liebe retten?
Einkaufen: Kindle | Taschenbuch – Kennenlernen: Michael Grewe
Leseprobe
Seine Nackenhaare richteten sich auf, weil er jemanden hinter sich atmen hörte. Ein Schauer jagte seinen Rücken hinab, und er kämpfte den inneren Drang nieder, vom Stuhl aufzuspringen.
»Herzlichen Glückwunsch, mein Liebster«, flüsterte Anne ihm ins Ohr.
Erleichtert atmete er aus. Es war die Stimme seiner Frau. Einerseits fand er es aufregend, dass sie sich an ihn angeschlichen hatte, aber in diesen Tagen hätte er auf Überraschungen lieber verzichtet.
»Sag bloß, ich habe dich erschreckt!«, sagte sie und fasste ihm mit spitzen Fingern an die Schulter. Dabei umrundete sie ihn und schob sich mit ihrer eng anliegenden Hose in sein Blickfeld. Sie beugte sich herab und gab ihm einen Kuss. Einen langsamen Kuss, bei dem klar war, dass mehr aus ihm werden sollte.
Doch mit harten Lippen drückte er Anne nur einen kurzen Schmatzer auf ihren weichen Mund. Ein wenig enttäuscht lächelte sie ihn mit ihren blauen Augen an. Er hatte den Eindruck, dass sie seine Lustlosigkeit zu ignorieren versuchte. Jetzt ist der falsche Zeitpunkt für Lust, dachte er sich. Warum ist dir das nicht klar?
Sie strich sich verlegen eine Strähne ihres langen, dunkelblonden Haares hinters Ohr und setzte sich ihm gegenüber. Ihre ärmellose cremefarbene Bluse hatte ein Schleifchen über ihrem Dekolleté. Ihr Oberteil schimmerte im Halbdunkel. Unter normalen Umständen hätte es ein perfekter Abend sein können.
»Zu deinem Geburtstag sollen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen.«
Fried lächelte zurückhaltend und erhob gemeinsam mit seiner Frau das volle Glas Rotwein, um mit ihr anzustoßen.
»Danke schön, Anne«, erwiderte er höflich.
Doch seine Hand zitterte, und einige Tropfen Wein schwappten über den Rand auf sein Hemd. Sofort stellte er das Glas wieder vor sich ab, seine Miene verdüsterte sich und er sprang von seinem Stuhl auf.
»Oh nein, wie ungeschickt«, entfuhr es ihm. »Das teure Seidenhemd!«
Er hatte sich für sein Geburtstagsessen eigens umgezogen und trug das türkisfarbene Hemd, das sie letztes Jahr im gemeinsamen Toskana-Urlaub gekauft hatten. Eine schwarze Hose rundete das Bild ab. Fried kleidete sich gern ansprechend, für die Arbeit in der Firma erschien er im Anzug und mit Krawatte, in der Freizeit liebte er farbige Kombinationen. Seit er nicht mehr ins Büro fuhr, sondern im Homeoffice arbeitete, war sein Kleidungsstil ins Schleifen geraten und er achtete weniger auf sich.
Anne hatte ihn schon einige Male ermahnt, mehr auf sein Äußeres zu achten. In seinen Anzügen wirkte er hochgewachsen, obwohl er nur mittelgroß war, und mit seinen dunklen, leicht angegrauten Haaren, die stets wohlfrisiert waren, gab er ein solides Bild ab. Sein längliches Gesicht mit weichen Kanten und die aufmerksamen blauen Augen hinter der eckigen rahmenlosen Brille leisteten dazu genauso ihren Beitrag.
Fried eilte in die Küche, um ein Putztuch zu holen.
»Komm schon, ich mache das«, winkte Anne ihn lächelnd zu sich.
Sie griff nach einer Serviette und wischte den verschütteten Wein damit
vorsichtig ab. Zurück blieb nur ein kleiner roter Fleck.
»Alles kein Problem!«, rief sie ihm mit einem Augenzwinkern zu. »Ich
bringe das Hemd in die Reinigung, dann ist das gleich wieder draußen. Überhaupt, es ist doch nur ein Hemd, du hast doch so viele! Warum bist du nur so nervös? Du wirst doch heute erst 45. Brauchst keine Angst vorm Älterwerden zu haben.«
Fried atmete laut aus. »Ich glaube, mein neues Lebensjahr wird uns mit schweren Zeiten konfrontieren. Die Infektionszahlen steigen jeden Tag, seit Wochen wird die Situation angespannter, und niemand scheint Verantwortung zu übernehmen.«
»Erstens kommt es anders«, sagte Anne. »Und zweitens, als man denkt.« Sie grinste. »Besser, als man denkt«, fügte sie hinzu. »Jetzt freu dich doch auf dein Geburtstagsessen!«
Anne hatte den ganzen Nachmittag in der Küche zugebracht. Eigentlich war das Kochen seine Leidenschaft, wohl seine einzige, wann immer er dazu Zeit und Lust hatte. Weil heute Ostern war, hätte er diese Aufgabe sicher gern übernommen, aber Anne hatte darauf bestanden, ihn zu seinem Geburtstag mit einem Abendessen zu überraschen.
In der Dämmerung war es schon recht dunkel. Anne stand auf, um die Lampe einzuschalten. Das warme Licht einer Pendelleuchte beschien jetzt die gedeckte Tafel, an der viele weitere Gäste Platz gefunden hätten. Weil sie allein waren, hatte sie nur an den beiden Stühlen am Kopfende eingedeckt.
Sie nahmen Platz und saßen einander gegenüber. Anne schaute ihn an, doch Frieds Kopf war gesenkt und er starrte auf den Fleck in seinem Hemd. »Dein Dankeschön hat sich aber sehr förmlich angehört«, sprach sie zu ihm. »Als wenn Du Dich über meinen Glückwunsch nicht wirklich freuen würdest.«
Er richtete sich auf und schaute in ihre Augen.
»Nein, nein,« murmelte er eilig. »Natürlich freue ich mich. Aber wir
verbringen Ostern und meinen Geburtstag allein daheim, irgendwie ist das nicht richtig und ich frage mich, wie es noch endet.«
Anne gab einen Seufzer von sich. »Du nimmst das alles zu schwer. In diesen Zeiten drückt man seine Nähe durch Abstand aus und besucht sich nicht …
[…]
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