David muss mit seiner Familie Nazideutschland verlassen, um dem drohenden Genozid zu entgehen und wird von seiner großen Jugendliebe Charlotte getrennt. Doch schon auf der Überfahrt nach Amerika lernt er die mysteriöse Annemarie kennen, die ihn komplett in ihren Bann zieht. Es wird für ihn eine Reise voller Zweifel und inneren Zerrissenheit.
In der Neuen Welt angekommen, wird er auch hier mit den Problemen von Rassentrennung und Antisemitismus konfrontiert. Aus tiefster Überzeugung beschließt er, mitzuhelfen, ein neues, freies Deutschland aufzubauen und geht zur Armee. Wieder in Europa kämpft er sich bis Berlin durch. Dort aber kommt alles anders als erwartet.
Das Buch erzählt die fesselnde Geschichte von David und Charlotte in der Zeit des Dritten Reiches. Es ist der erste Band einer Trilogie über das Leben zweier Familien im Krieg und in der Nachkriegszeit.
Tauch ein in die Welten und Gefühle von vier jungen Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Vier Schicksale, ineinander verwoben, in einer Zeit, in der die Gerechtigkeit gestorben ist.
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Leseprobe
Er bat sie, Platz zu nehmen. Es entging ihr nicht, dass er sie dabei genau beobachtete. Er setzte sich ihr gegenüber und es entstand die übliche, etwas peinliche Pause, die es immer gibt, wenn zwei Menschen, die sich nicht kennen, zu einem Gespräch zusammenkommen. Wie um diese Stille zu überbrücken, machte er sich daran, umständlich den Tee einzuschenken.
„Schön haben Sie es hier“, brach Leonie das Schweigen und sah sich demonstrativ noch einmal im Zimmer um.
„Oh ja!“, entgegnete er. „Wir alle leben in unglaublichem Luxus.
„Wie meinen Sie das?“
„Nun ja, sehen Sie, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges geht es uns, die hier in der westlichen Hemisphäre beheimatet sind, doch unsagbar gut. Ihre Generation hat sogar noch mehr Glück gehabt. Sie haben noch nicht einmal den Krieg erleiden müssen.“
„Sehe ich genauso!“
„Wenn man das Ganze historisch betrachtet, kann man doch sagen, dass wir in einem Zeitfenster leben, das absolut einzigartig ist. Noch nie haben Menschen so lange in Frieden gelebt. Es gab keine Naturkatastrophen, keine Hungersnöte, wir können unsere Meinung frei äußern, haben Zugang zu allen erdenklichen Informationen und sogar zu Medikamenten. Wenn uns am Sonntag etwas zwickt, ganz in der Nähe findet sich eine Apotheke mit Notdienst, wo wir das passende Mittelchen erwerben können. So etwas hat es noch nie gegeben. Und das ist auch nur bei uns so. Ein paar Hundert Kilometer östlich oder südlich sieht die Welt ganz anders aus.“
„Da habe ich so noch nie drüber nachgedacht!“ Er sah sie an.
„Das ist gewiss das Recht Ihrer Generation, ich finde jedoch, dass es nicht schadet, sich diesen Umstand gelegentlich einmal klarzumachen. Das sollten vor allem die tun, die jeden Tag etwas anderes zu beklagen haben!“
„Wie recht Sie haben. Das mit dem Zeitfenster gefällt mir. Sie haben natürlich ganz andere Zeiten erlebt. Darf ich fragen, wie alt sie sind?“
Sie bewegt sich wie sie, spricht wie sie und riecht sogar etwas nach ihr, ging es ihm durch den Kopf. Fast ein Déjàvu. Ohne dass er es bemerkte, zog ein Lächeln über sein Gesicht.
„Hallo?“, riss sie ihn aus seinen Gedanken.
„Wie? Oh ja, natürlich. Ich war gerade in Gedanken.“
„Das habe ich gemerkt“, gab sie grinsend zurück.
Die Frau begann ihm zu gefallen. Mit ihr würde er auf diese Zeitreise gehen können, das spürte er.
„Sie wollen also meine Geschichte hören?“, erkundigte er sich, ohne auf ihre Frage einzugehen. „Dann hoffe ich, Sie haben viel Zeit mitgebracht.“
„Ich bin sehr gespannt“, sagte sie, nippte an ihrem Tee und sah ihn erwartungsvoll an.
„Die Geschichte beginnt in Berlin“, hob er mit rauer Stimme an. „Im Jahre 1938. Sie handelt von einem jungen Juden. Nennen wir ihn David.“
[…]
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