„Traum vom Vollmond“ von Ella McFairy


Im Jahre 2046 kommt es zu einem Krieg zwischen Mond- und Erdbewohnern. Wird es Gewinner geben? Oder werden alle blutig untergehen?

„Du hast mir die Hand gereicht, als ich am Abgrund stand, mein Engel. Du hast nicht nur mein Leben gerettet, sondern mich auch dazu bewegt, anderen Menschen zu helfen. Du zeigst mir nicht nur die beste Version meiner selbst, sondern ermöglichst es mir auch, sie auszuleben. Dank dir fühle ich mich wieder lebendig und möchte mein Glück teilen, John. Deswegen habe ich ein Projekt auf die Beine gestellt und fünf Menschen ausgesucht, denen ich ihren Herzenswunsch erfüllen möchte.“
(Leyli, 22.11.2045)

„John, warum hast du mich vor einem Jahr nicht einfach sterben lassen? Warum hast du mir deine Hand gereicht, nur um sie dann wieder loszulassen? Du MONSTER! Wolltest du mich fallen sehen, nachdem du mir gezeigt hast, was es bedeutet, über dem Boden zu schweben? Beinahe hätte ich all meine Sorgen losgelassen und wäre mit dir geflogen, aber du hast dich ohne mich ins Flugzeug gesetzt, nur weil ich Flugangst habe. Obwohl ich nicht mit dir ins Flugzeug gestiegen bin, bin ich abgestürzt und kilometertief gefallen. Und nur Gott weiß, wen ich mitgerissen habe.“
(Leyli, 22.11.2046)

„Wenn du in der finsteren Nacht aus dem Fenster schaust, kannst du dann den Vollmond sehen? Oder ist der Mond nur halbvoll? Oder vielleicht halbleer?“

Einkaufen: Kindle | Taschenbuch – Kennenlernen: Ella McFairy

Leseprobe

Leyli
»Ich habe nichts damit zu tun«, stellte ich klar. Meine Hände zitterten und mein Herz schlug bis zum Hals. Mein Kopf war gefüllt mit Bildern, die ich am liebsten ausradiert hätte.
»Wir waren doch Freunde.« Meinen Blick hielt ich gesenkt, und ich fühlte Schweißperlen auf meiner Stirn. »Und überhaupt, ich … ich bin nicht zu so etwas fähig«, stammelte ich.
»Sie waren die letzte Person, die Beatrice angerufen hat«, teilte die Polizistin mit.
»Klar, ich war ja auch ihre beste Freundin. Sie hat bestimmt nicht geahnt, dass sie …«, setzte ich an. Meine Lippen zitterten; ich war nicht imstande, den Satz zu beenden.
»Beste Freunde also? Was bedeutet dann diese Nachricht?«, fragte mich die Polizistin. Sie las die Worte vor, die ich in mein Smartphone getippt hatte, als ich wütend gewesen war.
»Streit kommt in allen Freundschaften vor, das ist nichts Ungewöhnliches«, entgegnete ich an meinen Fingernägeln knabbernd, um mich zu beruhigen.
»Ist es auch nichts Ungewöhnliches, dass die beste Freundin mit dem Freund ins Bett steigt? Passiert Ihnen so etwas ständig?«, wollte sie wissen.
Ich schüttelte den Kopf. Mein Mund fühlte sich trocken an, und mir war schwindlig.
»Kann ich vielleicht kurz an die frische Luft? Ich … fühle mich nicht gut.« Doch noch bevor
sie antworten konnte, erbrach ich mich auf den Tisch.
Die Polizistin reichte mir Taschentücher, und ich wischte alles weg.
»Schon … okay«, flüsterte ich. Mein Herz schlug so schnell, dass es schmerzte. Und ich hatte das Gefühl, zu ersticken. »Gut – ich war sauer auf sie. Vielleicht … wollte ich ihr ein paar Schimpfwörter an den Kopf werfen und ihre Lieblingsvase zertrümmern, aber … ich hätte niemals …« Tränen liefen mir über das Gesicht.
»Erinnern Sie sich denn überhaupt noch an letzte Nacht?«, wollte die Polizistin von mir wissen.
»Ich … ich sage nichts mehr ohne meinen Anwalt«, stammelte ich – ein Satz, den ich schon sehr oft in Filmen gehört hatte, ohne es für möglich zu halten, dass ich ihn eines Tages benutzen würde.
»Das ist Ihr gutes Recht«, meinte die Polizistin. »Wenn Sie die Tat gestehen …«
Ihre Worte rauschten an mir vorbei – alles verschwamm. Es war zu viel für mich. »Kann ich ein Glas Wasser haben?«
Ich erinnerte mich an die bunten Lichter – an die vielen Gläser mit den schönen Schirmchen, daran, wie ich auf einem Tisch getanzt hatte. Und dann war alles schwarz.
Ich trank Wasser. »Ich bin keine …«, setzte ich an.

[…]


Entdecke mehr von Buch-Sonar

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Hinterlasse einen Kommentar