„Biss zum Tod“ von Janette John

Seit Jahren stehen in Konstanz drei Villen leer. Sie befinden sich in bester Lage direkt am See. Hundebesitzer nutzen ihre verwilderten Gärten heimlich zum Gassigehen und Liebespärchen für einen Unterschlupf. In unmittelbarer Nähe steht das Anwesen von Baronin van den Veert, die der Bridgegruppe von Charlotte Kaufmann und Maria Schulz angehört.
Als die Adlige immer wieder seltsame Anrufe erhält, werden die Hobbydetektivinnen hellhörig und beginnen, auf eigene Faust zu ermitteln. Dass ihre Neugier zu Spekulanten führt, ist ihnen nicht bewusst, genauso wenig, dass der Leerstand der Häuser nur einem Zweck dient und ebenso eine blutrünstige Spur nach sich zieht.

Janette John | Kindle | Taschenbuch

»Ich hoffe, ich mache das Richtige.«
Er sah sie an und blinzelte mit mandelbraunen Augen, die ihr signalisierten, dass sie es wohl tat. Seine gebräunte Hand hatte er längst auf die ihre gelegt, welche mit Altersflecken übersät war. »Das tust du, meine Liebe, das tust du.« Er zwinkerte ihr zuversichtlich zu, nickte und presste die Lippen zu einem wohlgefälligen Lächeln. Sogleich vernahm er das Kratzen ihres Füllfederhalters, den sie zitternd über das Dokument führte.
»Geschafft.« Sie atmete ruhig, während sich sein Blick verfinsterte. »Was ist mit dir? Jetzt hast du, was du wolltest. Endlich wird Konstanz ein neues …« Doch der Satz erstarb und die Tasse, aus der sie soeben einen Schluck Kaffee getrunken hatte, fiel auf den Tisch, genau wie ihr Kopf.
Er sah auf die Uhr. Zwanzig Minuten musste er warten, bevor er ging. Zwanzig Minuten, in denen er sie in ihr Schlafzimmer bringen würde, die Kleidung auszöge, um ihr dann ein Nachthemd überzuziehen. Die Seniorin war nicht schwer, eigentlich ganz leicht, weil sie zeit ihres Lebens auf die Figur geachtet hatte, was ihm jetzt zugutekam.
Er musste ausharren. Heute, das wusste er, käme niemand mehr zu Besuch. Erst am nächsten Morgen würde die Putzfrau erscheinen. Bis dahin war er über alle Berge. Er griff zum Handy, entsperrte es und tippte nur wenige Worte auf das Display, um es dann zurück in die Tasche zu stecken. Von nun an hieß es Geduld haben, Zeit vergehen lassen und sich seinem anderen Opfer widmen, das eine Haustür entfernt von hier wohnte.

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